2019-08-13 19:22

Die Argentinische Dogge und der Kurier

Ein Hund verängstigte einen Kurier. Ob der Halter deshalb nun verurteilt wird, ist unklar.

Als ein Kurier bei einer Wohnung in der Region Bern Essen ausliefern wollte, rannte die Argentinische Dogge nach draussen und verfolgte den Kurier.

Als ein Kurier bei einer Wohnung in der Region Bern Essen ausliefern wollte, rannte die Argentinische Dogge nach draussen und verfolgte den Kurier.

(Bild: iStock/Symbolbild)

  • Annic Berset

    Annic Berset

Der Fall, er jährt sich in ein paar Tagen bereits zum dritten Mal. Es geht um einen grossen Hund und dessen Halter – und um einen verängstigten Kurier. Im August 2016 klingelte dieser an einer Tür in der Region Bern, um Essen auszuliefern. Als die Tür geöffnet wurde, rannte die Argentinische Dogge nach draussen und dem Kurier, der aus Angst flüchtete, hinterher. Um sich vor dem Tier in Sicherheit zu bringen, sprang der Mann von einer vier Meter hohen Mauer hinunter und verletzte sich dabei. Ob seine Gesichtsverletzungen von der Dogge herrühren oder vom Sturz, konnte bei den Untersuchungen nicht geklärt werden.

Gesetz nicht gleich Gesetz

Fakt ist, dass sich der Berner Hundehalter am Dienstag bereits zum dritten Mal vor einer Instanz für diesen Vorfall verantworten musste. Die Staatsanwaltschaft hatte Anklage gegen ihn erhoben, weil er die nötigen Vorkehrungen nicht getroffen habe, damit sein Hund andere Menschen und Tiere nicht gefährde. Der Staatsanwalt forderte eine Busse von 500 Franken zulasten des Beschuldigten.

Dieser erschien am Dienstag nicht vor dem Berner Regionalgericht, weshalb der Fall auch nicht abgeschlossen werden konnte. Wenn es nach Manuel Rohrer, dem Verteidiger des Hundehalters geht, würde sein Mandant aber ohnehin nicht verurteilt. Er forderte, dass das Verfahren eingestellt wird, weil keine gesetzliche Grundlage für diese Busse bestehe. «Hier wurde vor allem viel Papier produziert, das Gericht hat vor lauter Bäumen den Wald nicht gesehen», sagte Rohrer. Er verwies darauf, dass bei der Schweizer Gesetzgebung jeweils das nationale vor dem kantonalen Recht gelte.

In der Schweizer Tierschutzverordnung heisse es zwar, dass der Hundehalter Vorkehrungen treffen müsse, dass sein Hund niemanden gefährde. Die Nichteinhaltung dieser Bestimmung stehe aber nicht unter Strafe, man könne also niemanden deswegen verurteilen. Ausserdem gelte die Aufsichtspflicht nur im öffentlichen Raum; der Vorfall jedoch habe sich auf einem Privatgrundstück ereignet, wo erst noch Schilder auf einen Hund hingewiesen hätten. Die Staatsanwaltschaft hat nun Zeit, sich zum Antrag des Verteidigers zu äussern.

Gang vor die Gerichte

Vor dem Regionalgericht hatten sich bereits die Volkswirtschaftsdirektion und das Verwaltungsgericht mit dem Fall beschäftigt. Der Hundehalter hatte sich gegen die Auflagen des Veterinärdiensts gewehrt, wonach er mit seinem Hund die Prüfung für das nationale Hundehalter-Brevet bestehen muss. Doch, hielten beide Instanzen fest, damit die Dogge weiter beim Halter bleiben könne, sei das Brevet zwingend nötig. Bis Ende August hat der Mann dafür Zeit, sonst droht die Beschlagnahmung des Hundes – und weitere Vorladungen vor dem einen oder anderen Gericht.